Delmenhorst - Innenstadt


 

Für die Fußgängerzone - Anfang der 70er Jahre geschaffene einstige Zierde unserer Innenstadt - mußten Geschichten erzählende Kaufmannshäuser und imposante Kinopalast-Fassaden weichen. Immer wieder wurden Lücken geschlagen durch die Schließung traditionsreicher Geschäfte; hier nur einige Beispiele:

  • Fooken - Elektro
  • Grundmann - Juwelier
  • Hohenböken - Textilkaufhaus
  • Horstmann - Buchhandlung
  • Jensen - Tischkultur
  • Karstadt (später Hertie) - Warenhaus
  • Kettler - Textilien
  • Kürschner - Lederwaren
  • Leffers - Textilkaufhaus
  • Leydecker - Kindermoden
  • Nordsee - Fischspezialitäten
  • Poppe - Textilien
  • Selve - Warenhaus
  • Sommers - Tischkultur
  • Többens - Textilkaufhaus
  • Woolworth - Warenhaus

Auch wenn die Gründe für das "aus" vielleicht unterschiedlich waren, sie haben das Stadtbild der Delmenhorster Innenstadt nachhaltig verändert.


Die ehemalige Buchhandlung Horstmann ist ein Beispiel für repräsentativen Geschäftsbau der Jahrhundertwende. 1906 von dem Bremerhavener Architekten August Bertram konzipiert. In den Jahrzehnten 1900 bis 1920 bemühten sich Architekten und Planer, aus Delmenhorst eine "Idealstadt" zu machen und der Stadt ein neues Profil zu geben. Bauliche Zeugnisse liefern auch zahlreiche Bürgerhäuser dieser Zeit.


 

Nach über 90 Jahren gab die Familie Lübbers, die das Haus für Tischkultur Jensen in 3. Generation geführt hatte, auf. Einer der Gründe: Die Kunden lassen sich beraten, kaufen dann aber im Internet und die schwindende Attraktivität der Innenstadt.

 

Die ehemalige Einhorn-Apotheke (1883 erbaut, Umbau 1906) im Stil der Neugotik war über 100 Jahre in Familienbesitz. Heute ist es eine "Discount"-Apotheke.



Heute ist die Fußgängerzone leider geprägt von Tristesse mit vielen leerstehenden Läden, Billigläden, zahllosen Bäckereien und Telefonläden. Die wenigen noch verbliebenen inhabergeführten Geschäfte haben sich in der Werbegemeinschaft zusammengeschlossen und kämpfen für die Attraktivität unserer Innenstadt. Die Kettenläden, die in jeder Stadt zu finden sind und die wenig Interesse an ihren Standorten haben, schließen sich meistens aus. Man hat scheinbar nicht begriffen, daß eine lebendige City auch für Umsatz in ihren Kassen sorgen kann.


Neue und alte Stadtgeschichten


Der Juwelier "Wieting am Markt" ist eines der wenigen Traditionshäuser, die die leider negative Stadtentwicklung der letzten Jahre überlebt haben.

Ping-Ping-Wieting

Am Markt wohnten drei Wietings. Der eine war Wirt des Fitgerhauses. Man nannte ihn einfach Wieting. Der zweite Wieting hatte eine Kohlenhandlung und war früher einmal Kapitän auf einem Handelsschiff gewesen. Er hieß nach seinem ehemaligen Beruf nur "Käpt'n Wieting.

 

Der dritte war der Uhrmacher Wieting, seit 1862 Inhaber des ersten Uhrenfachgeschäftes in Delmenhorst "Wieting am Markt". Nach dem Klingelschlag seiner Uhren nannte man ihn „Ping-Ping-Wieting“. Er zog in regelmäßigen Zeitabständen durch Delmenhorst und in die benachbarten Gemeinden, um in den Häusern die Uhren aufzuziehen. Das machte damals nur der Fachmann.

 

Für die Kinder war es ein Erlebnis, wenn er sie mittags um 12 Uhr mit in seinen Laden nahm, damit sie das gleichzeitige Schlagen aller seiner Uhren hören konnten.

 

Quelle: Buch „Alt-Delmenhorst“ von Jürgen Mehrtens, Kurt Müsegades und Fritz Schröer


City-Center

Das 1972/73 fertiggestellte 14stöckige Hochhaus wurde nach umfassender Renovierung 1985 in eine schickes Geschäfts-, Verwaltungs- und Wohnzentrum am westlichen Eingang in die Fußgängerzone umgewandelt. Von den 15.000 qm Nutzfläche hat die Stadt seinerzeit ein Drittel langfristig für die Verwaltung und die Stadtbücherei angemietet. 2008/09 erfolgte in diesen Etagen eine grundlegende Sanierung und es wurde u. a. ein Bürgerbüro (Eingang Lange Straße) eingerichtet.


Ihrem letzten Nachtwächter setzten die Delmenhorster in der Fußgängerzone ein Denkmal. Der als Nachtwächter Jan Tut ins Herz geschlossene Zigarrenmacher  Johann von Seggern (1846-1931) war als Original weithin bekannt. Er mußte mit seinem Horn die Stunden "ausblasen" oder, wie man in Delmenhorst zu sagen pflegte, in das Horn "tuten".


Jan Tut und die Straßenlaternen

Zeitweilig war Jan auch für das Anzünden der Straßenlaternen zuständig. Oft schlichen böse Buben hinter ihm her und löschten die Laternen wieder aus, so daß es manchmal in der ganzen Stadt stockdunkel war. Jan hatte deswegen unaufhörlich Ärger mit dem Ratsherrn Langemann, der für die Beleuchtung verantwortlich war. Schließlich nahm man ihm diese Aufgabe wieder ab. Böse Zungen behaupteten nämlich, Jan habe, da ihm für den Schnaps das nötige Kleingeld fehlte, das für die Lampen vorgesehene Petroleum getrunken. Das war aber sicherlich nur ein Gerücht …

 

Quelle: Buch „Alt-Delmenhorst“ von Jürgen Mehrtens, Kurt Müsegades und Fritz Schröer