Juden in Delmenhorst


Als Juden bezeichnet man sowohl die Angehörigen des jüdischen Volkes als auch der jüdischen Religion.

 

Unter dem jüdischen Volk werden sowohl das historische Volk der Israeliten als auch dem jüdischen Selbstverständnis gemäß alle Juden verstanden, die nach der Tora von den Erzvätern Abraham, Isaak und Jakob abstammen.

 

Deren Verheißungsgeschichte hat nach dem ersten Buch Mose alle Völker segnenden, sie einbeziehenden Charakter: Wer von einer jüdischen Mutter geboren ist, gilt im Talmud daher ebenso als Jude wie der, der zu diesem Glauben übergetreten ist, unabhängig von seiner Herkunft. Der Begriff des jüdischen Volkes im zweiten Sinne meint nicht ein ethnisch einheitliches Nationalvolk mit geschlossenem Siedlungsraum, einer gemeinsamen Geschichte, Sprache und Kultur, welches durch die jüdische Diaspora zerfiel.


In Niedersachsen wurden rund 20 verfallene Synagogen vor allem in den 50er Jahren abgerissen, etwa in Goslar und Hannoversch Münden. In Bückeburg und Delmenhorst baute man Synagogen so zu Wohnhäusern um, dass von ihrer einstigen Gestalt wenig übrig blieb. In vielen Orten gibt es zumindest Tafeln, die an die ursprüngliche Nutzung erinnern. In Delmenhorst erkennt man zudem am Baustil, dass dieses Gebäude kein normales Wohnhaus ist.

Auch in unserer Stadt gibt es eine jüdische "Geschichte". Eine sehr interessante Dokumentation dazu ist das Historische Handbuch der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen und Bremen. Hier wird sehr ausführlich über die Entwicklung und die Schicksale der Delmenhorster Juden berichtet.

 

Verständlich beschriebene Geschichte und dadurch höchst lesenswert!


Der Zug der Erinnerung


Der "Zug der Erinnerung" machte vom 19. bis 21. Oktober Halt am Delmenhorster Bahnhof. In zwei Waggons wird die Geschichte der Deportation europäischer Kinder in der NS-Zeit erzählt.


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Es sind die Schicksale von Toska, Ruti und Selma: Kinder, die während des Nationalsozialismus vertrieben verschleppt und in Konzentrationslagern getötet wurden. Auch Kinder aus Delmenhorst waren darunter – 26 sollen es gewesen sein. Auf die Spuren dieser Kinder begibt sich der „Zug der Erinnerung“. Eine bewegende Ausstellung, die von 44 Schulklassen besucht wurde.

 

Die Bedeutung des Gedenkens hat Oberbürgermeister Patrick de La Lanne bei der Ausstellungseröffnung hervorgehoben. Er überreichte eine Tafel mit den Namen von 15 aus Delmenhorst vertriebenen oder ermordeten Kindern.

 

Außerdem erinnerte er an die Delmenhorster Geschwister Melanie und Bernhard König: Sie wurden in den 1930er Jahren in Delmenhorst geboren wurden. Ihre Eltern Josef und Frieda waren polnische Juden, die einen Textilien- und Kurzwarenladen in Delmenhorst betrieben. Im Herbst 1938 musste der Laden schließen. Josef König (geb. 1895) war der erste Jude, der 1939 aus Delmenhorst deportiert wurde.

 

Am 30. Oktober 1939 wurde Josef König ins KZ Buchenwald abtransportiert, am 8. November starb er dort. Seine Familie kam am 13. April 1940 in ein Bremer Sammellager, von dort wurde sie ins Ghetto Minsk deportiert - drei von 32 Delmenhorster Juden, die zu Tausenden in Viehwaggons nach Minsk verfrachtet wurden. Am 28. Juli 1942 wurden die Königs ermordet.


Stolpersteine gegen das Vergessen


Stolpersteine - ein Kunstobjekt für Europa von Günter Demnig.

 

Ein Projekt das die Erinnerung an die Vertreibung und der Vernichtung der Juden, Zigeuner, der politisch Verfolgten, der Homosexuellen, der Zeugen Jehovas und der Euthanasieopfer im Nationalsozialismus lebendig erhält.

 

Inzwischen gibt es auch Delmenhorster Stolpersteine. Am 31. Juli 2006 wurden 13 Steine an vier verschiedenen Standorten verlegt.