Delmenhorst - wo sind die Soldaten, wo sind sie geblieben?


Die Geschichte der Garnison Delmenhorst begann nicht erst mit dem Bau der Kasernen 1935/36. Soldaten gingen seit eh und je in der Stadt ein und aus. Kriegerische Auseinandersetzungen entbrannten mehrfach um die Burg, die eine große strategische Bedeutung hatte. Nach der wechselvollen Geschichte mussten 1806/07, nach der Niederlage Preußens, innerhalb eines Jahres über 6.000 Husaren und Grenadiere von den damals nur 2.000 Bürgern der Stadt aufgenommen werden.

 

Während des 1. Weltkrieges wurde ein Landsturm-Ersatzbatallion in Delmenhorst stationiert. Da es noch keine Kaserne gab, nahmen die 450 Mann im „Schützenhof“ und anderen Gaststätten Quartier.

 

Textquelle: Broschüre „Delmenhorst“ anlässlich der Eröffnung des Verlagshauses WESER KURIER in Delmenhorst.

Mitte der 80er Jahre war die Bundeswehr mit rund 5.100 Soldaten und 750 Zivilisten mit Abstand der größte Arbeitgeber in Delmenhorst. Die Garnison war eine der größten Norddeutschlands und nahm im Bundesgebiet den 10. Rang ein. Sie waren ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für die Stadt.

 

Bäcker, Schlachter und Landwirte aus Delmenhorst und der näheren Umgebung belieferten die Truppenküchen. Die Standortverwaltung gab für die Beschaffung von Nahrungsmitteln jährlich rund 3,5 Millionen Mark aus. Mehr als 1,5 Millionen Mark kostenen 1984 die kleinen und großen Dinge, für die Bedarf bestand: von der Schraube bis zum schweren Hammer, vom Rasensamen bis zum Zement. Diese "Einzelbeschaffungen" erledigte man in Delmenhorst und "umzu".

Durch die Auflösung der Caspari-Kaserne verödete der Stadtteil Deichhorst und viele Geschäfte, Kioske und Gaststätten mußten schließen.

 

Mit dem Beginn des neuen Jahrtausends erfolgte der Abriß der Caspari-Kaserne, da man sich nicht auf eine sinnvolle Nachnutzung (z. B. Unterbringung des TÜV, Zollabfertigung) einigen konnte.

 

Inzwischen ist das Gelände größtenteils bebaut. Diverse Einkaufsmöglichkeiten, moderne Seniorenwohnungen, ein Seniorenheim sowie Einfamilienhäuser und Eigentumswohnungen sind die Basis für einen neuen Stadtteil geworden - das "Neue Deichhorst".


Wer sich für die Geschichte

der Delmenhorster Caspari-Kaserne interessiert,

findet ausführliche Informationen im Internet.

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Delmenhorst - Heiratsmarkt für Soldaten

 

Aus ganz Deutschland waren junge Männer in den Delmenhorster Kasernen in Deichhorst und Adelheide stationiert. Das war nicht nur ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für die Stadt - viele Soldaten lernten hier auch ihre Frauen kennen. So verwundert es nicht, daß quer durch die Bundesrepublik der Name unserer Stadt untrennbar mit der Bundeswehr verbunden war und ist.

 

Beliebte Orte zum Kennenlernen waren die Kinos. Beispielsweise die ehemalige Schauburg,  mitten in der Innenstadt - heute eine Einkaufspassage. Außerdem die traditionsreichen Kinossäle der Familie Münzer - Lichtspielhaus und Gloria Palast in der Cramerstraße.

 

Anziehungspunkt waren auch die zahlreichen Diskotheken, wie z. B. in den 60er Jahren die Grafthalle (später Delmehalle, im Jahr 2009 abgerissen) und natürlich das legendäre La Palma (das ehemalige Gewerkschaftshaus, später auch "Schuppen" genannt) in dem bis 1995 mindestens zwei Delmenhorster Generationen nach Rock'n Roll, Beat und anderen Musikrichtungen getanzt haben. Der überaus beliebte DJ Werner Reinke war auch Moderator bei Radio Bremen ("Wenn Freitag früh der Reinke quasselt ...")

 

Wegen der Nähe zu den Deichhorster Kasernen war das Number one (ehemals "Zum Tiergarten", später Tanzschule Hsu) an der Oldenburger Straße sehr beliebt bei den Soldaten. Hier konnte man die in ganz Norddeutschland erfolgreiche Band "Five Sets" (damals die "Five Susettis") oft live erleben und Kontakte zu den Mädels knüpfen.

 

Aber auch der Deichhorster Krug (kurz genannt das „DK“) war eine beliebte Lokalität und so mancher Soldat lernte bei der Wirtin Tante Grete sein "Mädchen" kennen. Später eröffnete hier ein China-Restaurant, bis das Gebäude schließlich im Jahr 2006 abgerissen wurde. Heute werden hier im "Pit Stop" Autos repariert.

 

Immer eine gute Adresse für einen "Absacker" nach dem Disco-Besuch war auch das Jever Faß (heute "Butze") in der Nähe des Bahnhofs.

 

Bei Gedanken an die 60er und 70er Jahre kann schon wehmütig werden, denn alle genannten Namen sind inzwischen Geschichte und existieren nur noch in unseren Erinnerungen, leider ...